Serie: Die angelaufenen Filme in deutschen Kinos vom 31. Oktober 2013, Teil 3

 

Helga Faber

 

Berlin (Weltexpresso) – Nicht jeder Schmarrn ist ein Kaiserschmarrn! Zu solchen Aussagen verführen einen die Filmverleiher, die einem Film diesen Titel geben. Dabei ist auch der österreichische Kaiserschmarrn ein Schmarrn, nämlich ein aus Palatschinkenteig – Mehl, Milch, Eier, Zucker - in Butter gebackenes Etwas, was dem Kaiser Franz Joseph I. so gut geschmeckt hat, daß er ihn adelte.

 

KAISERSCHMARRN

 

Warum der Film so heißt, das können wir uns nur so erklären, daß der Pornofilm für den Schmarrn steht und der Heimatfilm für den echten Film, den Kaiserfilm. Denn die beiden Genres gehen hier durch Hauptdarsteller Antoine Monot, Jr. in eins: in den berühmten und absolutes Ekelpaket Zacharias Zucker, der als Star der Heimatfilmszene alle Omas zu Tränen rührt und den jungen Alex Gaul, der so gerne richtige Filme machen und für seine Oma (Grit Boettcher) ins Fernsehen kommen möchte. Da das nicht klappt, fristet er sein Schauspielerleben so lange mit Pornofilmen, deren Dreh im Film einem genauso vorkommen, wie man es immer schon glaubte, nämlich absolut unerotisch.

 

Nun erzählt dieser Film die Geschichte des Alex Gaul und erledigt im Ablauf die Karriere des bisherigen Stars der Heimatfilme Zacharias Zucker und das kommt so: Die Oma ist krank, wie sich zwischendrinnen herausstellt, sogar so vom Krebs bedroht, daß sie nicht mehr lange lebt. Also muß sich Alex beeilen, sich endlich als Fernsehstar der Oma zeigen zu können. Bisher hatte er eher frustriert und brav seine Pornodarstellung durchgezogen. Als aber am selben Ort in Bayern auch die Dreharbeiten zu einem Heimatfilm beginnen, erhält Alex unverhofft eine Chance. Durch sich selber. In doppeltem Sinn.

 

Den von ihm ebenfalls gespielten fiesen und gemeinen Star Zucker schlägt er versehentlich nieder, reagiert aber, als er dessen Ähnlichkeit mit sich selber wahrnimmt, sofort und verlängert dessen Bewußtlosigkeit, besser: zieht ihn aus dem Verkehr und verkörpert blitzschnell beide Rollen. Daraus entsteht immer wieder Situationskomik, wenn er im einen Zimmer als Axel hinausgeht, im anderen als Zacharias erscheint. Natürlich sind es die Frauen, die dieses Spiel, das ja bitterem Ernst entspringt, für den Helden managen, selbst dann noch, wenn er in der einen Rolle der ihm doch Liebsten den Herausschmiß aus dem Service des Hotels androht, ach was, durchzieht.

 

Wir erleben also zwei Filmteams, die für den Porno mit genauso schrägen Personen bestückt sind wie sie karrierresüchtig und menschlich abartig im Heimatfilm zu finden sind, wobei alle Angst haben vor dem Produzenten. Die zweiteilige Geschichte wird nun zu einer, wenn der bekannte Hauptdarsteller nicht vorhanden ist und der bisherige Pornostar dessen Rolle übernimmt. Zum vollen Erfolg. Denn am Schluß wird er der neue Star sein und für viele Rollen verpflichtet werden, weshalb man auch die um die Oma versammelte Familie beim Fernsehen anschauen kann, wo alle, auch der Hauptdarsteller ihn nun im Fernsehen sehen können.

 

Dabei ist der Dreh des Films die so unterschiedlichen Welten des Pornos und des Heimatfilms kontra zu zeigen. Die Welt der Pornos ist zwar schmuddelig, aber auch warm und gemütlich, denn die Leute kennen sich und wissen, daß sie für Geld hier eine Leistung abliefern. Die Heimatfilmcrew dagegen zeigt die ganze Karriere- und Geldwelt in ihrer schlimmsten Ausprägung. Was sonst die Quote ist, als Totschlagargument, ist hier die voraussichtliche Meinung des Produzenten, die Gerti Kling als Redakteurin besonders fies und quälerisch vorbringt und ohne irgendeinen menschlichen Zug zu beachten, wie ihre Verdammungen bei den Betroffenen ankommen. Wie gemein diese Welt ist, hat man sich immer schon gedacht. Allerdings ist das dann doch alles etwas dick aufgetragen.

 

Sollte man noch Hannes Jaenicke als Koryphäe oder Ilja Richter als Senderchef vorstellen oder Ottfried Fischer, der als Hausmeister als Gast auftritt, da dieser Beruf viel sauberer ist als Filmemachen. Mit einem Wort: derb gestrickt ist das Ganze und daß das Lachen einem in der Kehle stecken bleibt, ist sicher gewollt. Aber ein aber bleibt...