24. Verleihung der europäischen Filmpreise 2011  in Berlin im Tempodron

 

Von Romana Reich

 

Berlin (Weltexpresso) – Erst ging es nicht los und dann kamen gleich drei der Ausgezeichneten nicht einmal in Berlin vorbei, um ihren Preis, eine als handschmeichelnde doch etwas sperrige und leicht magersüchtige weibliche Figur, noch ohne Namen, persönlich entgegenzunehmen. Dafür waren umschwärmte echte Stars von gestern überraschend dabei: Michel Piccoli erhielt den Ehrenpreis, von dem zuvor niemand wußte. Ihn überreichten Volker Schlöndorff und Bruno Ganz, zu dem Piccoli den Satz sagte, den viele Kinobesucher generell über Schauspieler äußern: „Ich kenne nicht Deinen Namen, aber ich liebe Dich“.

 

 

Allerdings war Michel Piccoli eigentlich für die beste Darstellung nominiert, die wir ihm auch verliehen hätten. Im Übrigen darf man sich auf diese Darstellung eines sich selbst abschaffenden Papstes von Michel Piccoli freuen. Dieser italienische Film unter der Regie von Nanni Moretti kommt erst noch in die deutschen Kinos: Habemus Papam. Herzlich ging es auf der Veranstaltung zu, aber mit viel zu vielen Reden von Staatstragenden in der Politik oder im Filmgeschäft: Marion Döring (Gala-Produzentin), Bernd Neumann (deutscher Kulturstaatsminister), Wim Wenders (Präsident der Europäischen Filmakademie EFA) und  Volker Schlöndorff. (EFA-Chairman).

 

Alles ging durcheinander und wurde absolut unprofessionell absolviert und die gestreßte Moderatorin Anke Engelke hatte nur bis kurz vor Schluß ihre burschikose Contenance durchgehalten. Berlin übt noch, kann man zu dem Auftritt nur sagen. Aber immerhin. Das europäische Kino muß sich ja auch erst eine Gemeinde aufbauen, die Filmschaffenden haben sich – wenn überhaupt – doch immer als Repräsentanten ihrer Länder verstanden, Europäer wurde sie ansatzweise in Indien, auch den USA oder China, wenn sie auf dortigen Festivals als Europäer bezeichnet wurden und weniger als Franzosen, Deutsche oder Engländer. Obwohl in Berlin richtige Stars dabei waren, bei den Frauen Anouk  Aimée, Irène Jacob, Sibel Kekilli, Nina Hoss, Heike Makatsch, Ludivine Sagnier, hatte die Veranstaltung keinen Glamour-Effekt, was die Berliner gerne gehabt hätten.

 

Vielleicht muß man sich seine Preisträger auch besser aussuchen, denn Preise, die dann nicht persönlich abgeholt werden, werden schnell für die Umwelt schal. Sagen wir also deutlich, wer in Berlin erwartet worden wäre, aber nicht kam: Tilda Swinton für einen Film, den hierzulande bisher niemand kennt: We Need to Talk about Kevin als beste Schauspielerin; Colin Firth für The King’s Speech als bester Schauspieler und Lars von Trier für Melancholia als bester Film. Da diese drei immerhin die Hauptpreise sind, gehört diesen drei ein Rüffel, wenigstens von der Presse.

 

Die Filmpreise 2011

Der Europäische Filmpreis geht hervor als Konsequenz der Schaffung der Europäischen Filmakademie EFA; die Preise heißen deshalb auch EFA Awards.

Bester Film: Melancholia von Lars von Trier

Beste Regie: Susanne Bier für In einer besseren Welt

Beste Schauspielerin: Tilda Swinton in We Need to Talk about Kevin

Bester Schauspieler: Colin Firth in The King’s Speech

Bester Dokumentarfilm: Pina von Wim Wenders

Bester Nachwuchsfilm: Adem/Oxygen von Hans Van Nuffel

Bester Kurzfilm: The Wholly Family von Terry Gilliam

Bester Animationsfilm: Chico & Rita von Fernando Trueba, Javier Mariscal, Tono Errando

Bestes Drehbuch: Jean-Pierre und Luc Dardenne für Der Junge mit dem Fahrrad

Beste Kamera: Manuel Alberto für Melancholia

Beste Filmmusik: Ludovic Bource für The Artist

Bestes Design: Jette Lehmann für Melancholia

Bester Schnitt: Tariq Anwar für The King’s Speech

Publikumspreis für den besten europäischen Film: The King’s Speech von Tom Hooper

Ehrenpreise: fürs Lebenswerk der britische Regisseur Stephen Frears und als Beitrag zum Weltkino der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen

 

Vergleiche unsere Ankündigungsartikel

http://weltexpresso.tj87.de/index.php/kino/204-am-3-dezember-im-berliner-tempodrom

http://weltexpresso.tj87.de/index.php/kino/205-habemus-habemus-papam