
Claudia Schulmerich
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Wenn Sie DRACULA, den 1897 erschienenen Roman von Bram Stoker nicht gelesen haben, dann sehen Sie einen tollen Film, der absolut spannend die einen Monat dauernde Fahrt der Demeter nach England zu einem Horrorspektakel macht und total glaubwürdig und auch in der Zeit stimmig Menschen auf einem Schiff unter den dramatischsten Umständen ums Leben kommen läßt, sensationelle Aufnahmen des Schiffes, das Sturm und Regen trotzt, was sich im bequemen Kinosessel sehr gut anschauen läßt.


Zu allem anderen kann man nur sagen: hervorragend gefilmt und ganz im Sinn des siebten Kapitels des Romans. Der erst kürzlich erschienene vorletzte Dracula-Film, der tatsächlich den Roman, der als Basis ja den Bericht, Stenogramm genannt, des Tagebuchs von Jonathan Harker hat, endet mit dem Ankommen an der Küste. Insofern wäre dieser Film jetzt die sachlogische Fortsetzung. Doch während der letzte Film liebevoll und mit angemessenem Grauen Stoker filmisch nacherzählt, werden in der DEMETER die Tage der Fahrt vom 6. Juli bis zum 4. August im siebten Kapitel ausgeschmückt und als Schiffskatastrophe eindrucksvoll auf die Leinwand gebracht. Belege finden sich im Buch im besagten siebten Kapital gleich mehrfach. Da gibt es das Logbuch, aber es beginnt mit einem Ausschnitt aus dem Dailytelegraph vom 8. August, wo in Folge auch die Besatzung aufgezeigt wird: sie „bestand auf fünf Mann, zwei Maaten, einem Koch und mir selber (Kapitän).“. Minna Murays Tagebuch hält dann den 8. August und die Beerdigungen fest.
Das filmische Personal ist hier ausgeweitet, doch jeder, der hinzugekommen ist, hat eine Funktion und wenn es nur die ist, eine weitere Leiche abzugeben. Denn gestorben wird kräftig. Dank diesem Monster, das sich aus einer Kiste befreit und in Verbindung mit dem Unwetter einen nach dem anderen umbringt.
Doch doch, die im Text festgehaltene dramatische Schifffahrt wird mit aller Drastik wiedergegeben: „Dann, ohne besondere Anzeichen, brach der Sturm los. Mit einer schier unglaublichen Schnelligkeit, die auch hinterher unmöglich zu begreifen war, hatte sich das Aussehen der Natur schlagartig verändert. Die Wogen erhoben sich in wachsender Wut, jede über ihre Vorgängerin hinwegstürzend, so daß in wenigen Minuten die bisher spiegelgaltte See in ein tosendes, Allverschlingendes Ungeheuer verwandelt war…“, so in Worten malerisch geht es weiter , daß man schon beim Lesen Lust bekommt, die Worte in Bilder auf der Leinwand zu sehen. Und den dramatischen Worten entsprechen die phantastischen Bilder, auch als in rasender Eile von Woge zu Woge, der fremde Schoner mit vollen Segeln vor dem Wind in den sicheren Hafen. Der Scheinwerfer folgte mit seinem Licht, und ein Schauer durchrieselte alle; am Steuer war ein Leichnam angebunden, der, mit gesenktem Haupt,, bei jeder Bewegung des Schiffes hin -und hergeschwenkt wurde. Keine andere Gestalt war an Deck sichtbar. Ein grausiges Entsetzen kam über alle, als man sich klar wurde, daß das Schiff, wie durch ein Wunder, nur gesteuert von der Hand eines toten Mannes, den Hafen erreicht hatte.“
Man kann nur wiederholen, ein toll gemachter Weltuntergangsfilm, der das siebte Kapitel des Romans verfilmt, mit einem Monster, das sich in Menschen verbeißt und sie tötet; nur mit DRACULA hat das nichts zu tun.
Fotos:
©Verleih
Info:
Stab
Regie André Øvredal
Drehbuch Bragi F. Schut
Besetzung
David Dastmalchian: Wojchek
Liam Cunningham: Captain Elliot
Aisling Franciosi: Anna
Javier Botet: Dracula
Corey Hawkins: Clemens
Jon Jon Briones: der Koch Joseph
Stefan Kapicic: Olgaren
Nicolo Pasetti: Deputy Hirsch
Chris Walley: Abrams
Nikolai Nikolaeff: Petrofsky
Woody Norman: Toby
Graham Turner: Constable