TITANIC  kommt zu Ostern 2012 als englische Fernsehserie im ZDF in deutsche Wohnzimmer

 

Romana Reich

 

München (Weltexpresso) – Das hätte man sich denken können, daß dieser Mythos, zu dem der Untergang der Titanic geworden ist, zum hundertsten Katastrophentag – 14./15. April 1912 -  auch im Fernsehen Beachtung findet. Tausendsassa Julian Fellowes hat vier Folgen gedreht, die das Ereignis tatsächlich auf eine andere Art verdeutlichen, denn das Schiff geht gleich viermal unter.

 

Das liegt daran, daß Fellowes dem Erzählstrom, dem die bisherigen so zahlreichen Titanic-Verfilmungen folgen - schließlich gab es ja mit den 2207 Passagieren von denen nur 712 überlebten viel zu erzählen, an Einzelschicksalen und gemeinsamen Untergehen -  ein anderes Konzept gegenüberstellt, daß nur in einem den bisherigen Filmen gleicht, es ist ein Potpourri der Schicksale von echten wie auch von fiktiven Passagieren. Die aber sind auf vier Personen zusammengeschmolzen, die stellvertretend für alle den Untergang der Titanic in jedem Teil des Vierteilers erleben, was ein unglaubliches Wort für den eigentlichen Vorgang des Sterbens ist.

 

Wer stirbt, soll nicht verraten werden; von einer Figur, von der ein Teil handelt, weiß man, daß er überlebte. Es ist der Reederei- Präsident J. Bruce Ismay, der es sich nicht nehmen lassen wollte, den Stolz der modernen Gesellschaft über solch einen teueren Luxusdampfer mit allem möglichen Schnickschnack auf der Jungfernfahrt des Schiffes in die neue Welt persönlich wahrzunehmen und sich den Dank darüber persönlich abzuholen.

Das durfte er. Daß er sich allerdings in einem der letzten Rettungsboote in Sicherheit brachte, ist gegen jedes professionelles Reglement, daß die Verantwortlichen die Letzten sind, die ein Schiff verlassen, weil die Sicherheit der anvertrauten Passagiere ihr Ehrenkodex ist.

 

Allerdings kann man weder das Überleben von Ismay, noch das Sterben von anderen in den einzelnen Teilenden sehen; das wäre filmdramaturgisch auch langweilig, wenn man viermal eine abgeschlossene Geschichte sieht. Die Spannung wird gehalten, weil erst am Schluß sich die vier Lebensläufe im Untergangsscenario bündeln.

 

Auffällig war bei allen bisherigen Verfilmungen die Lust der Regisseure an den Passagieren der Ersten Klasse  und ihren Skurrilitäten. Das filmt sich halt bunter und die Leute scheinen als Reiche oder auch Prominente interessanter. Dagegen wurden dann meist nur kurz zum Kontrast hineingeschnitten Passagiere aus der Dritten Klasse, von der es ja sehr viel mehr gab. Kaum vorhanden war filmisch die gesellschaftliche Klasse, die als Mittelschicht sich damals erst als Begriff der Zweiten Klasse profilierte und für die natürlich die Titanic und die Jungfernfahrt auf ihr ein wichtiges Dazugehörengefühl gehörte.

 

Diese Klassenstruktur auf dem Schiff greift die englische Serie stärker auf als bisherige Verfilmungen. Von daher kann man sich selber vorstellen, daß die Telegramme, die so häufig gefunkt wurden, daß das Nachbarschiff seinen Funkverkehr wegen Störung durch die Titanic einstellte und deshalb auch nicht die späteren Notrufe hörte, daß diese Telegramme nicht aus der Dritten Klasse kamen. In diesem Feld liegt auch die eigentliche Neuigkeiten, die ebenfalls in der  Titanic-Ausstellung im Frankfurter Museum für Kommunikation angesprochen wird: die Konkurrenz der Notsignale.

 

Es waren geschäftliche Interessen, das von der Marconi Company vertretene Notsignal C.Q.D. in den Äther zu senden. Verstanden als: Come Quick Danger. Nur dieses Signal wurde gesendet, aber andere Schiffe verfügten über S.O.S., ein Telefunkenprodukt, was die Titanic nicht empfangen wollte – und auch nicht senden.  Dabei war die Konkurrenz zwischen Marconi und Telefunken schon 1908 zugunsten von S.O.S. entschieden worden, was den Passagieren der auf den Eisberg gefahrenen Titanic nichts half, weil die Marconis unverantwortlich ihr eigenes System fortführten. Erst auf Hinweis, gab es dann ein S.O.S.

 

Die geschäftliche Konkurrenz zu Telefunken bezog sich auch auf den Telegrammverkehr. Nur von Marconi-Stationen gesendete Telegramme erreichten die Titanic, nur an diese wurden die Telegramme gesendet. Mit dem Untergang der Titanic erhielt auch das Marconi-Imperium einen schweren Schlag, was bedeutet, daß sich ein einheitlicher  internationaler Schiffsfunk durchsetzte. Ach, es lassen sich an der Titanic entlang noch so viele Geschichten erzählen, das Symbol für Reichtum und Modernität, das in den Untergang fährt, ist einfach eine so aussagekräftige Situation, daß sich daraus noch immer neue Titanicuntergänge erzählen lassen. Seien wir erst einmal auf den vierteiligen Zyklus von Julian Fellowes an Ostern 2012 im ZDF neugierig.