Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 19. November 2015, Teil 4

 

Margarete Frühling

 

München (Weltexpresso) - Die Mutter der 11jährigen Stacey (Lauren Kinsella) ist vor Kurzem gestorben. Da das vorlaute Mädchen keine weiteren Verwandten hat, wird ihr Onkel Will (Aidan Gillen) vorzeitig aus der Haft entlassen, um sich um seine Nichte zu kümmern. Er hat allerdings die Auflage, sich jeden Abend telefonisch zu melden.

 

Falls er es schafft, gut für Stacey zu sorgen, können ihm die letzten sechs Monate seiner Strafe erlassen werden.

 

Sie ziehen in einen Trailerpark in den irischen Midlands. Der Wohnwagen gehörte früher Staceys Mutter. Stacey soll dort zur Schule gehen, wird aber aus versicherungstechnischen Gründen nicht angenommen, da sie - wie sie ehrlicherweise zugibt - seit dem Tod ihrer Mutter unter narkoleptischen Anfällen leidet, gegen die sie allerdings vom Arzt Amphetamine bekommen hat.

 

Sie lernen die Belgierin Emilie (Erika Sainte) kennen, die mit ihrem rumänischen Mann Tibor (George Pistereanu) und ihrem Sohn auch in einem der Wohnwagen leben. Emilie hat in Belgien als Lehrerin gearbeitet und gibt deshalb Stacey täglich Unterricht, während Will versucht, im Ort Arbeit zu finden.

 

Stacey merkt rasch, dass sich ihr Onkel zu Emilie hingezogen fühlt. Sie versucht ihn mit ihr zu verkuppeln, auch wenn ihr Onkel ihr klarzumachen versucht, dass die junge Frau verheiratet sei. Tibor ist Fahrer des örtlichen Müllwagens und da er gerade allein arbeiten muss, stellt er Will als Aushilfe ein.

 

Will möchte seiner Nichte nicht erzählen, warum er im Gefängnis saß. Doch Stacey weiß wie man solche Informationen bekommen kann. Die Wahrheit ist ein Schock für das Mädchen, da sie auch gleichzeitig merkt, dass ihr Onkeln nicht nur abends ein paar Bier trinkt, sondern sich auch an ihren Tabletten bedient.

 

Der wahre Grund für Wills Gefängnisaufenthalt zeigt aber, dass er seine Nichte liebt und beschützen möchte. Aber kann er ihr auf Dauer eine stabile Umgebung bieten?

 

 

"Familienbande" ist das Spielfilmdebüt von Mark Noonan, der auch das Drehbuch schrieb. Die Hauptrollen spielen wunderbar die 2002 geborene Lauren Kinsella als Stacey und Aidan Gillen, der als "Littlefinger" in der Serie "Game of Thrones" bekannt wurde.

 

Der Film lief mit dem Originaltitel "You're Ugly Too" zuerst in der Sektion Generation auf der Berlinale 2015. Der Titel wurde mehrmals geändert von "So wie ich bin" über "Bewährung am Arsch der Welt" bis zum jetzigen Titel "Familienbande", der leider etwas nichtssagend ist und dem Film keineswegs gerecht wird.

 

Aidan Gillen spielt Will sehr zurückhaltend, der immer wieder sein Bestes versucht, sich seiner störrischen Nichte zu nähern und sich so gut er kann, um sie zu kümmern. Dadurch kann die junge Lauren Kinsella glänzen, deren Stacey es Will nicht leicht macht, die von ihm geforderte Aufgabe zu erfüllen. Das alles wird in Mark Noonans Film ausgesprochen nüchtern dargestellt. Daneben sind besonders die wie improvisiert wirkenden schlagfertigen Dialoge zwischen den Beiden immer wieder die reine Freude.

 

Die Stimmungslage der Protagonisten wird auch hervorragend durch die erdfarbenen, tristen Bilder der Landschaft der irischen Midlands und des Wohnwagenparks von Kameramann Tom Comerford eingefangen. Am Ende wird es keine eindeutige Lösung geben, aber die Hoffnung, dass die beiden in der Lage sein werden, längerfristig eine dauerhafte Verbindung einzugehen und eine gegenseitige Zuneigung zu entwickeln.

 

Insgesamt ein interessanter kleiner Film, den man sich unbedingt ansehen sollte und über den hoffentlich viele noch einige Zeit nachdenken werden.

 

Info:

Familienbande (Irland 2015)

Originaltitel: You're Ugly Too

Genre: Tragikomödie

Filmlänge: 81 Min.

Regie und Drehbuch: Mark Noonan

Darsteller: Aidan Gillen, Lauren Kinsella, Erika Sainte, George Pistereanu u.a.

Verleih: Pandora Film

FSK: ab 6 Jahren

Kinostart: 19.11.2015

 

Foto: Will (Aiden Gillen) und Stacey (Lauren Kinsella) auf dem Filmplakat © Pandora Film