Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 8. Dezember 2016, Teil 2

Filmheft

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Hier hat es uns doch einmal besonders interessiert, wie jemand, der die ganze Arbeit gemacht hat, den Inhalt seines Tuns bewertet. Für uns, wie in einem anderen Film. Die Redaktion


Um was geht es in SCHUBERT IN LOVE?

Um die große Liebe! Schubert muss auf Geheiß seines Vaters (Mario Adorf) für Nachwuchs sorgen, damit das glorreiche Geschlecht der Schuberts nicht ausstirbt. Wenn man sich allerdings so verhält wie Schubert, ist das ziemlich schwierig…

Film ist dem Wesen nach Konflikt, hier könnte er nicht größer sein, wie soll dieser Mann eine Frau finden?!?! (lacht)


Wie kam es zu der Idee, das Leben Olaf Schuberts auf die große Leinwand zu bringen?

Ulf Israel von der Senator Film Produktion sprach mich an und hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, diesen Film zu inszenieren. Wenn man mit jemanden wie Schubert arbeiten darf, fiel mir die Antwort nicht schwer.


Sie haben mit Mario Adorf, Marie Leuenberger und Olaf Schubert ein sehr überzeugendes Darstellerensemble. Wie war die Zusammenarbeit?

Großartig. Eine Freude zu sehen, wie Marie Leuenberger ihre Rolle fand, gewissermaßen ein Gegenpol zu Schubert zu sein, eine hochintelligente Frau mit einer kleinen Sprachstörung. Sie spielt wunderbar. Ich habe mich über alle Maßen gefreut, dass Mario Adorf Lust hatte, in diesem, ja doch speziellem Film mitzuspielen. Er ist eine Legende, ein großer Star, der ausgesprochen diszipliniert arbeitet. Er hat sich auf dieses Wagnis eingelassen, es hat sich gelohnt.


Was war das lustigste Erlebnis während der Dreharbeiten?

So komisch es klingt, eine Komödie zu drehen, ist ziemlich schwere Arbeit. Stimmt das Timing, der Rhythmus, die Betonung, Dialogwitz und Situationskomik... Ein sehr schmaler Grat zwischen Slapstick, nicht gestatteter Albernheit und wirklicher Komik. Mir ist vollkommen bewusst, dass man schnell abrutschen kann, und dennoch hat die Regie die Aufgabe, etwas zu wagen, Dinge neu, anders zu erzählen. Das haben wir probiert. Anfangs tat sich Schubert damit auch schwer, auf der Bühne lachen die Menschen schon, wenn er auftritt. Beim Film wird man erst belohnt, wenn die Menschen (hoffentlich!) im Kino lachen. Oder wenigstens schmunzeln…


Ihr Film erzählt augenzwinkernd von großen Visionen und der Verbesserung der Welt. Was denken Sie, können auch Kinofilme die Welt zu einem besseren Ort machen?

Nein, das können sie leider nicht. Sie sind vermutlich vollkommen wirkungslos, aber sie können uns für 90 Minuten in eine andere Welt locken, in der wir ausnahmsweise mal nicht selber leiden müssen. Das übernehmen zum Glück für diese kurze Zeit andere für uns, und wir freuen uns darüber, dass gerade mal nicht wir selbst betroffen sind.


Olaf und Dresden bilden ja faktisch eine Einheit. Wie haben sie die Dreharbeiten vor Ort und die Dresdner erlebt?


Dresden ist eine tolle Stadt! Und vermutlich neben Leipzig die zur Zeit spannendste Stadt in Deutschland. Die Pegida-Bewegung ist nur ein kleiner Mosaikstein, die meisten Menschen dort sind weltoffen, interessiert und sehr zuvorkommend. Mit Schubert dort zu drehen ist nicht ganz einfach, die Dresdner lieben ihn, er ist ihr Star, sie sagen mit Stolz, dass er einer der ihren ist.

Wenn sie ihn sehen, wird er sofort umringt, und (zu Recht!) bejubelt. Wollen wir hoffen, dass die im Westen sich auch bald so verhalten…


Gab es auch Hindernisse zu überwinden? Was war die schwierigste Szene?

Der ganze Film war ein Hindernis... (lacht) Nein, einen Film zu drehen, ist wie eine schwere Bergbesteigung im Sturm, ziemlich anstrengend. Dabei nicht die Orientierung zu verlieren, ist die größte Herausforderung. Mit diesem Ensemble und diesem Produzenten allerdings war es auch eine große Freude!

Tatsächlich haben wir uns die Filme anderer Comedians angesehen, die meist eine Sketchparade auf einer Schnur im Film gezeigt haben, was in der Regel beim Publikum nicht gut angekommen ist. Deshalb haben wir uns entschieden, eine Geschichte zu erzählen, eine Liebesgeschichte, bei der man lachen und weinen darf.


Es ist Olaf Schuberts Kinofilmdebüt. Wie hat er sich Ihrer Meinung nach geschlagen?

Schubert ist einer der größten deutschen Comedians. Er erinnert mich immer an den
berührenden Karl Valentin oder auch an Stars wie Helge Schneider oder Loriot. Ein großes Glück, das er im Film die Mauer öffnet...!


Was nehmen Sie als Erinnerung mit aus diesem Projekt?

Dankbarkeit. Unterstützung dabei zu bekommen, einen eigenwilligen, humorvollen und doch berührenden Liebesfilm drehen zu dürfen, ruft einfach nur Dankbarkeit hervor.





Lars Büchel , Regisseur und Produzent

Der Autor, Regisseur und Produzent Lars Büchel wurde 1966 im schleswig-holsteinischen Eutin geboren. Er studierte in Berlin Theaterwissenschaften und Philosophie und später an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Sein erster Langfilm 4 GESCHICHTEN ÜBER 5 TOTE erhielt eine Nominierung für den renommierten Max Ophüls Preis. Seinen Film JETZT ODER NIE – ZEIT IST GELD sahen über 1,2 Millionen Zuschauer in den deutschen Kinos. Der Verband der Berliner Filmjournalisten erklärte ihn zur besten deutschen Komödie des Jahres 2000. Die nachfolgende Tragikomödie ERBSEN AUF HALB 6 erhielt 2004 den Deutschen Filmpreis für die Filmmusik. Zwei Jahre später war sein Film NICHTS WEITER ALS auf der Berlinale zu sehen, ebenso 2009 seine Kinderbuchverfilmung LIPPELS TRAUM, die als Bester Kinder- und Jugendfilm beim Deutschen Filmpreis Lola nominiert wurde.

Gemeinsam mit dem Produzenten Bernd T. Hoefflin gründete Büchel 2005 die Produktionsfirma element e. Die in Hamburg ansässige Firma produziert neben Spielfilmen auch