Serie: Die heute anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 29.9.2011,Teil 1

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Das ist nicht nur ein deutsches Thema, das Filme die Vergangenheit ihres Landes aufarbeiten, überhaupt die Geschichte der Länder der Erde, ihre Konflikte, was immer heißt, die Guten und die Schlechten zu sortieren. Aus den Vereinigten Staaten wissen wir, wie sehr diese zusammengewürfelte Gesellschaft sich über die Staatsgründung und dann so viele politischen Desaster immer wieder ihres demokratischen Anspruchs versichert. In dieser Woche extrem stark.

 

DIE LINCOLN VERSCHWÖRUNG

 

Klar legt Regisseur Robert Redford die Maximen dieses Films vor: die geschichtliche Wahrheit soll erzählt werden. Moral kann da nicht fehlen, aber jedes weitere dramaturgisch naheliegende sentimentale Drumherum wird vermieden. Kantig und unmißverständlich wird filmisch erzählt, wie einer, der die Ermordung Abraham Lincolns genauso schlimm und verurteilenswert findet, wie ganz Amerika, dennoch um einen fairen Prozeß für die Mutter eines der Attentäter, Mary Surratt, erst eintritt, dann streitet, dann die unfertige Demokratie und Gewaltenteilung in den Anfangsjahren des Staates erleben muß und darob sogar seinen Anwaltsberuf aufgibt.

 

Was hier kurz zusammengefaßt ist, entfaltet sich im Film nach und nach. Denn als Anwalt Frederick Aiken (James McAvoy) mit der Sache zu tun bekommt, da ahnt er noch nicht, daß es nicht nur eine Verschwörung zum Tode Abraham Lincolns gab, sondern daß es auch eine Verschwörung des Justizapparates, des Militärs und der Politik gibt. Dernach muß auch die vom Militärgericht Angeklagte, die ihm eigentlich überhaupt nicht unterliegt, sterben. Ihr Verteidiger dagegen sieht in der verfassungsmäßig garantierten Freiheit jedes einzelnen Bürgers die Rechtsstaatlichkeit verletzt. Sie müßte vor ein bürgerliches Recht.

 

Die Stärke des Films, der durch historische Details von Kleidung, Ausdrucksweise, Begebenheiten auch stark dokumentarischen Charakter hat, die Stärke des Films also liegt hauptsächlich daran, daß er auf vorgezeigte Phantasien oder Motive, die die Hauptperson dieser Mary Surratt betreffen, völlig verzichtet. Auch bei ihrem Tod, in den Augen des Films ein militärstaatlicher Mord, wissen wir nicht, ob hier eine Schuldige oder Unschuldige stirbt.

 

Daß man als Zuschauer dies aber wissen möchte und eventuell von diesem Wissen auch eine andere Haltung zum Verfahren gewinnen möchte oder könnte, das zeigt dem Zuschauer überdeutlich auf, weshalb Robert Redford diesen Film in dieser Form drehte: es geht um die Rechtsstaatlichkeit im Amerika des 21. Jahrhunderts, es geht um die gesellschaftlichen Folgen des 11. September. Verurteilt werden dürfen nur die Angeklagten, deren Schuld bewiesen ist. Geraune, das Dazugehören, die Lebensgemeinschaft oder eine gemeinsame Religion sind keine Verurteilungsgründe. Wie wahr und wie nötig.

 

JOHN CARPENTERS THE WARD

 

Klaustrophobische Zustände fühlt man im Kino mit, wenn man sich mit dem Geschehen auf der Leinwand identifiziert, was automatisch passiert, wenn man sich dem gekonnt Dahingefilmten hingibt. Da wird in den Sechzigern eine junge Frau in die Psychiatrie gesteckt und erlebt all das, was wir seit dem berühmten Kuckucksnest als eigentlicher Horror in uns tragen. Gut gemacht von Altmeister John Carpenter.

 

WHORES’GLORY

 

Michael Glawogger hat schon zuvor unterschiedliche Arbeitssituationen rund über die Welt in zwei Filmen vorgelegt. Der Abschluß der Trilogie kümmert sich nun um die Edel-Prostitution im berüchtigten Thailand, in Mexiko und dem armen Bangladesch. Einerseits knallhart, andererseits klischeebehaftet.

 

VON DER KUNST SICH DURCHZUMOGELN

 

Lernen kann man aus dem Film durchaus. Allerdings am meisten, sich solcher Filme zu enthalten, die kitschig und unwahr als Jungmännerromantik zusammengekleistert sind.

 

DAS KLEINE ZIMMER

 

Behutsam und ziseliert werden wir mit zwei Alten in den Schweizer Bergen konfrontiert, deren jeweilige Verletzungen, die das Leben zufügte und sie verbittert gemacht hatte, durch das Zusammentreffen beider eine Heilungschance bekommt.

 

WICKIE AUF GROSSER FAHRT

 

Also, da ist aus Wickie immer noch kein Mädchen geworden, was alle die wissen, die diese Fortsetzung anschauen werden, in der Wickie schlau seinen Vater befreit und sich um Thors Hammer streitet. Mit wem? Das zeigt der Film.

 

Romana Reich