K frauMeruane Sebastian Utreras Archives Paula Magazine Chile web 1Ausgezeichnet: KARTOGRAPHIEN DES WEIBLICHEN. Am 26. und 27. Januar im Frankfurter Literaturhaus, Teil 3

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Bleibt, nach unseren ersten Ankündigungen noch konkreter zu werden. Zum einen über die eindrucksvolle Pressekonferenz, und dann ausführlich über das vielfältige Angebot der Veranstaltung selbst zu berichten. Bestens vorbereitet hatte das Podium – Barbara Stang, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, Anita Djafari, Geschäftsleiterin, Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse und das Frauenreferat der Stadt Frankfurt – erst einmal über die massive Benachteiligung von Frauen im Literaturgeschäft berichtet, wie es sich auch in Deutschland findet.

Wir hatten schon darüber berichtet, wie viel häufiger die Bücher von Männern in deutschsprachigen Verlagen angenommen werden und wie sie dann auch noch überproportional in den Feuilletons der Zeitungen besprochen werden. Daran konnte Beate Herzog vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt direkt anknüpfen. Erfrischend und hilfreich, daß sie knallharte Zahlen brachte, die man sich merken muß und von denen sie sagte, daß sie von der Autorin Nina George stammen, die auch Vorstandsmitglied bei ver.di ist und als BücherFrau des Jahres 2017 ausgezeichnet wurde.

Demnach gilt:

„Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen werden weniger Romane von Autorinnen verlegt, wir sprechen hier von 25-30 Prozent.

In Deutschland werden Autoren dreimal häufiger als Autorinnen in den Feuilletons besprochen.

Autoren werden drei- bis fünfmal häufiger als Autorinnen in Verlagshäusern im Hardcover veröffentlicht.

Autoren gewinnen insgesamt fünf Mal häufiger als Autorinnen renommierte Literaturpreise“, wobei zudem deutlich weniger Frauen in den Jurys der Preisverleihungen sitzen.

Und das sind nur Tatbestände, die man in Zahlen wiedergeben kann. Die wichtigen Diskriminierungen, die psychologisch laufen, wo Frauen nicht zu Wort kommen, übergangen werden, ausgegrenzt und nicht wichtig genommen, herabgewürdigt und sexuell angemacht werden, kommen ja noch hinzu. Diese psychologischen wie sexistischen Faktoren werden sicher im Verlauf der Tagung eine Rolle spielen.

Das waren substantielle Informationen, die Frau Herzog weitergab und als sie zum Abschluß bemerkte, daß diese Tagung im Jahr 2018 auch gut angelegt sei, weil wir in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht und 50 Jahre die Neuauflage der Frauenbewegung feiern, konnte man sich nur an die eigene Nase fassen,... denn darauf sind wir noch gar nicht vorbereitet.

Gegen Schluß der späteren Diskussion ging es um die gegenwärtige Me too-Debatte. Provozieren muß man sie nicht, aber darauf eingehen, wenn sie kommt, auf jeden Fall. Und auch konzentrieren auf das, um was es geht: daß nämlich Frauen in den Situationen, in denen Männer über ihr Fortkommen, den Abdruck ihres Artikels, die Annahme ihres Manuskriptes zur Veröffentlichung, ihren Auftritt bei einer öffentlichen Veranstaltung, über Werbung für ihr Buch sowie Lesungen und vieles andere entscheiden, diese Männer eine Macht besitzen, die manche Männer ausnutzen, sei es zu „sexuellen Dienstleistungen“, die bis zu Vergewaltigungen gehen, sei es in einem Psycho- und Aufforderungsspiel, das eben kein Spiel ist, sondern nur mit männlicher Macht spielt, von der man nur hoffen kann, daß sie nicht Wirklichkeit wird. Auf jeden Fall gehören gerade Autorinnen zu denen, die verstärkt von der Macht von Männern abhängig sind, wenn man die oberen Zahlen von den 80 Prozent Weiblichkeit in der Branche und den 84 Prozent, in denen Männer die vorhandenen höheren Positionen besetzen, ernst nimmt. Daß ein „Nein“ im Einzelfall dramatische negative Konsequenzen haben kann, gilt genauso wie das Gegenteil.

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Foto: Meruane_Sebastian_Utreras_Archives_Paula_Magazine_Chile_
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Info:
Litprom-LITERATURTAGE 2018, Ausgezeichnet: Kartographie des Weiblichen. 30 Jahre LiBeraturpreis am 26. und 27. Januar im Literaturhaus Frankfurt, Schöne Aussicht 2, 60311 Frankfurt am Main, präsentiert von der Litprom-Bestenliste Weltempfänger