Serie: Deutsches Architekturmuseum (DAM) feiert vom 10. Mai bis 19. Oktober 2014 den 30. Geburtstag mit einer Ausstellung über seinen Gründungsdirektor Heinrich Klotz, Teil 2

 

 Hubertus von Bramnitz

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – In der Tat sollte man sich Zeit nehmen, denn die umfassende Ausstellung bringt zu den einzelnen Ausstellungsbereichen Beispiele und auch das entsprechende Material, was bei Architekturausstellungen von der Zeichnung bis zum Modell geht. Fotos sind auch dabei.

 

 

Heinrich Klotz und sein Weg in das DAM Direktorenzimmer

 

nennt sich der erste Ausstellungsbereich. Heinrich Klotz entwickelte ab Mitte der 1970er Jahre Ideen zur Gründung eines Architekturmuseums. Mit Charme und Charisma trägt er sie in Frankfurt vor. Drei Wege führten ihn ins Direktorenzimmer: Seit 1972 Professor für Kunstgeschichte in Marburg, half er, die dortige Altstadt vor dem Abriss zu retten. Zuvor lernte er in den USA wichtige Architekten kennen. In den 1970er Jahren schrieb er Architekturkritiken für ein breites Publikum und ein Buch über Kitsch: “Die röhrenden Hirsche der Architektur”.

 

Kitsch

Heinrich Klotz konnte klar und deftig formulieren. Er veröffentlichte jenseits der akademischen Welt, häufig in der Frankfurter Rundschau. In “Die röhrenden Hirsche der Architektur” erklärt er, dass Kitsch nichts Schlimmes sei, sondern eine sehr menschliche Reaktion auf die gleichförmige Architektur der Nachkriegszeit. Doch Klotz sieht eine neue Architektur entstehen, die es besser machen will. Noch nennt er sie nicht „Postmoderne“. Sein Gespür für populäre Themen prägt die Anfangszeit des DAM.

 

Marburg

Heinrich Klotz setzte sich seit den 1960er-Jahren für den Denkmalschutz ein. Als Universitätsassistent in Göttingen besetzte er mit Studierenden ein vom Abriss bedrohtes Universitätsgebäude. In Marburg kämpfte er für den Erhalt der vernachlässigten Fachwerkhäuser. Doch Klotz wollte nicht nur konser-vieren, sondern lud Architekten ein, zeitgenössische Entwürfe für die Altstadt anzufertigen. Obwohl keiner realisiert wurde, qualifizierte sich Klotz als „Macher“, der Politiker zu überzeugen vermochte.

 

USA / Interviews

Als junger Gastprofessor in Yale wurde Klotz im Jahr 1969 mit einem Umbruch in der Architektur konfrontiert. Die Zurückhaltung des Historikers gab er auf und führte Interviews und Streitgespräche mit Architekten, die die Entwicklung der modernen Architektur kritisierte. Seine eigene Rolle dabei verglich er mit der Giorgio Vasaris (1511–1574). Dieser "erste Kunsthistoriker" widmete den Künstlern der Renaissance biografische Portraits. Klotz portraitiert doppelt: Mit Texten und seinen Dia-Aufnahmen.

 

Lebenslauf Heinrich Klotz

1935 geboren in Worms

Studium der Kunstgeschichte, Germanistik, Archäologie und Philosophie

1969–1970 Gastprofessur an der Yale University

1972 Gastprofessur an der Washington University, St. Louis

1972–1989 Professor für Kunstgeschichte an der Universität Marburg

1987 Gastprofessur am Williams College, Williamstown

1979–1989 Gründungsdirektor des Deutschen Architekturmuseums

Ab 1989 Gründungsdirektor des ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe und

Gründer der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe

1999 verstorben in Karlsruhe.

 

Fortsetzung folgt.

 

 

Publikation:

 

 

 

ARCH+ Nr. 216 - Sonderheft "Klotz Tapes"

 

 

 

ARCH+ Berlin

 

 

 

Deutsch/Englisch, 240 Seiten + 24 S. Feature + 16 S. Appendix

 

Format: 235mm x 297mm


Mit Essays von Jasper Cepl, Oliver Elser, Franziska Stein, Anke te Heesen, Julia Voss sowie Interviews mit Charles Jencks und Paolo Portoghesi.

 

www.dam-online.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Freek van Arkel

 

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