Lukasz Huculak in der neuen Studioausstellung
Hanswerner Kruse
Kleinsassen/Rhön (Weltexpresso) - In seiner Ausstellung „Scrubble“ im Studio der Kunststation präsentiert Lukasz Huculak Malereien, die zwischen Realität und Traum changieren.
Der Stipendiat des Via-Regia-Künstleraustauschs wird vier Wochen lang in Kleinsassen präsent sein, inmitten seiner Werke arbeiten und für Gespräche bereitstehen. Am letzten Sonntag war die Vernissage. Im Studio hängen Bilder von undeutlichen, nicht bestimmbaren Räumen oder Landschaften in erdigen und sepiaartigen Farben. In diesen Orten agieren oft amorphe, unwirkliche Figuren, zuweilen in scheinbarer Bewegung. Selten gibt es auf den farblich zurückhaltenden Gemälden kleine bunte Klekse. Mit seinen Darstellungen schafft der Künstler eine abwechslungsreiche Balance zwischen fantasierten und erkennbaren Gebilden, zwischen Abstraktion und Wirklichkeit. Erst beim zweiten, dritten Blick kann man in seinen Gestalten oder in den Bildstrukturen Buchstaben erkennen.
Deren Bedeutung ist nicht festgelegt. Huculak gibt keine zu lösenden Rätsel auf, auch wenn sich sein Titel „Scrubble“ auf das Wortspiel Scrabble bezieht. Sondern er spielt mit Bildern und Lettern, fordert die Betrachter auf, eigene Assoziationen und Allegorien zu entwickeln. Unter anderem werden die Buchstaben in seinen Werken von ihrer Funktion zur Vermittlung von Informationen befreit. Dadurch erinnern sie an Konkrete Poesie: Wörter und Buchstaben werden aus ihren sprachlichen Zusammenhängen gelöst und treten den Betrachtern „konkret“ gegenüber. In all seinen Arbeiten interessiert sich der Künstler für das Verhältnis von Schrift, Sprache und Bild - auch wissenschaftlich als Kunstprofessor in Breslau/Polen. Darin sieht er eines der wichtigsten Themen der zeitgenössischen Kunst.
Maurus taucht auch in einigen, für diese Schau geschaffenen Werken auf, etwa in „Raban Maur’s vision“ (Foto links). In einer unwirklichen eigenartigen Landschaft kniet der Geistliche, in der Nähe sind liturgische Dinge und kirchliche Räume zu erkennen. Wie bisweilen in seinen Arbeiten gibt ein runder Durchschlupf den Blick auf eine andere, jedoch nicht erkennbare Welt frei.
Diese Löcher stehen vielleicht sinnbildlich für das Unsagbare, das die Kunst ausdrücken kann - und erinnern auch an William Shakespeare, der Hamlet sagen lässt: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt.“
Service
Die Ausstellung „Scrubble“ geht noch bis zum 30. August 2024. Der Künstler wird meistens anwesend sein. Weitere Infos unter www.kunststation.de
Bis zum 18. August ist auch noch die Ausstellung "Geschnitten. Gefaltet. Geformt. Papier" zu sehen.
Fotos:
© Hanswerner Kruse