Vier junge virtuose Musikerinnen aus Hamburg

 

Helmut Marrat

 

Hamburg (Weltexpresso) – "Salut Salon" ist eine semi-professionelle Gruppe von vier virtuosen jungen Musikerinnen in Hamburg, die jedoch seit langem auch international erfolgreich in Erscheinung getreten ist.

 

Es handelt sich (von links nach rechts) um Sonja Lena Schmid (Cello); Anne-Monika v. Twardowski (Klavier); um Iris Siegfried (Geige und Gesang); und um Angelika Bachmann (Geige). Alle vier Frauen spielen ergänzend noch weitere Intrumente (Angelika Bachmann beispielsweise eine 'singende Säge') und alle vier weisen beeindruckende Biografien auf. Angelika Bachmann und Iris Siegfried, die "Salut Salon" 2002 gegründet haben, erhielten 2011 aus der Hand des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz in Anerkennung ihrer ehrenamtlichen musikalischen Arbeit mit Kindern. - Mir fällt auf, dass in dem Programmheft (das zugleich als Poster dienen kann) nicht der Name des Bundespräsidenten genannt wird. Es war, vielleicht macht es das verständlich, Christian Wulff. -

 

In die Aufführung geriet ich durch einen guten Zufall. Dazu trug auch der neugierig machende Name "Salut Salon" des Quartetts bei.

 

Auch der Name der Pianistin, die im 2. Teil ein anspruchsvolles Stück wirklich ziemlich gut meistert, Twardowski, fiel mir auf. Ja! Es gab da einen Schauspieler gleichen Namens, Hans-Heinrich v. Twardowski (1898 – 1958), der sogar eine kleine Rolle in "Casablanca" (1942) spielte. Vielleicht besteht hier eine Verbindung ... ?

 

Eingangs fiel die Bezeichnung "semi-professionell". Was ist damit gemeint? Nichts Herabsetzendes, sondern etwas Einordnendes, Einschränkendes; insofern, als diese vier Musikerinnen nicht ausschließlich auftretende Künstler sind, deren Lebensschicksal vom immer wieder erarbeiteten und erhofften Gelingen ihres Auftretens abhängt. Das verächtliche Urteil der Burgschauspielerin Paula Wessely (1907 - 2000) über einen anderen Schauspieler, er spiele gerne, was als Zeichen für Unprofessionalität angesehen wurde und das Will Quadflieg (1914 – 2003) in seinen Memoiren wiedergibt, könnte man hier sicherlich auch wiederholen, - schließt sich aber, um es zu wiederholen, hier insofern aus, als diese vier auffälligen Musikerinnen sich beruflich auch anders betätigen: Iris Siegfried, um das auffälligste Beispiel herauszugreifen, ist "tagsüber" Rechtsanwältin, die sich mit Fragen des Urheber- und Wettbewerbsrechts beschäftigt. Sie arbeitet aber auch als Dozentin an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Ganz ähnlich verhält es sich mit den drei anderen Damen dieses Ensembles: Sie alle sind in Lehrberufen tätig und verfügen damit über mehrere Standbeine. Die Not des Auftreten-Müssens, die immer lauernde Absturzgefahr, aber auch die Zuversicht des Abheben-Könnens und des Strebens nach einem Ziel - weicht in ihren Auftritten der Spielfreude, die sich deutlich auf das Publikum überträgt und auch später im Gedächtnis bleibt. Das ist, wenn man so will, bereits das immer wieder erreichte Ziel.

 

Hinzu kommt die virtuose Beherrschung des eigenen Instruments, die ebenso zum Gelingen eines jeden Abends beiträgt. Spielfreude alleine würde ja kaum genügen. Es muß auch ein instrumentales Können dahinter stehen oder besser gesagt davor: Denn das ist auch hier die Voraussetzung zum Auftreten, das sich als eine gemeinschaftlich-lustvolle Unternehmung bezeichnen ließe. Sie überträgt sich rasch auf das Publikum ...

 

An diesem Abend fällt mehrmals das Wort "tierisch". Ganz bewußt, denn die vier Musikerinnen spielen im gegenwärtigen Programm fast ausschließlich Stücke, die mit Tieren zu tun haben, meist also Programm-Musik, wie der fachliche Ausdruck lautet, also Musik, die etwas darstellen soll und nicht rein fiktional in phantastische Sphären einzudringen versucht.

 

Saint-Saens "Karneval der Tiere" gibt das Grundgerüst, (aus dem ein paar, keineswegs aber alle Nummern gespielt werden). - Aber die Spannbreite ist weit: Auch Bachs "Schafe können sicher weiden" (BWV 208) wird angespielt (was sich als Bach-Stück aber nicht überträgt).

 

Der unverwüstliche "Floh-Walzer", vor oder nach dem Musikunterricht, im Kommen oder Gehen von verschiedensten Schülern immer mal wieder auf dem bereit stehenden Flügel kurz angespielt, darf nicht fehlen, hier ganz witzig pizzicato auf den Streichinstrumenten gebracht. Überhaupt wird Vieles Artistisch-Turnerisches dargeboten, und auch dieser Anteil "Hansa-Theater", wenn man so will, bringt Stimmung in diesen launigen Abend.

 

Man staunt zunächst, wie breit die Literatur über Tiere in der Musik überhaupt angelegt ist! Der "Ententanz", vor vielen Jahrzehnten heimliche Hymne des Sechstagerennens des Berliner Sportpalastes, wird zitiert; Rimsky-Korsakows "Hummelflug", der alte Schlager "Ich wollt ich wär ein Huhn", von den Comedian Harmonists (den ich aber bisher nur in der Version von Theo Lingen (1903 – 1978) kannte) fehlt nicht.

 

Hörenswert ist auch Saint-Saens Nr. 7 aus dem "Karneval der Tiere", das "Aquarium". Der Piazzolla gelingt nicht ganz; aber besonderen Applaus erhält eine Art Medley, das aus drei Teilen zusammengesetzt ist: Der Filmmusik von "Der weiße Hai", der Musik des Films "Das Boot" und schließlich der "Moritat von Meckie Messer" aus der berühmten "Dreigroschenoper", die 1928 im Berliner Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführt wurde.

 

In seiner Kritik zu dieser Premiere schrieb Alfred Kerr (1867 - 1948): "Und man hat, ohne viel zu rechten, einen prachtvollen Abend."

 

Diese Worte gelten auch hier uneingeschränkt!

 

Und so soll man genießen, was diese vier jungen Musikerinnen mit viel Spaß unter dem Titel "Karneval der Tiere und andere Phantasien" zusammengestellt haben und im Hamburger Thalia Theater präsentieren, - und ist auch gespannt, wie denn ihr zukünftiges Programm aussehen wird.

 

Tipp: Hingehen!