Publikumspreisträger 5. Internationaler Deutscher Pianistenpreis am 12. August im Steinway-Haus, Frankfurt am Main

 

Claudia Schulmerich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Am Mittwoch, 12. August um 19 Uhr gibt es hierzulande eine musikalische Delikatesse. Andrejs Osokins, der in Frankfurt den Publikumspreis des 5. Internationalen Deutschen Pianistenpreis gewonnen hatte, gibt sein Konzert, auf das alle nach seinem Gewinn schon warten. Sein vierteiliges Programm endet mit Isoldes Liebestod aus „Tristan und Isolde“ in der Klaviertranskription von Franz Liszt.

 

Andrejs Osokins ist Preisträger der weltweit wichtigsten Klavierwettbewerbe. Hier in Frankfurt flogen ihm die Herzen beim Abschlußkonzert in der Alten Oper zu. Denn als Gewinner hatte die Jury Yekwon Sunwoo aus Südkorea erkoren. Aber das Publikum, das eigens abstimmen darf, hatte für Andrejs Osokins gestimmt. Die Kritiker charakterisieren den prominentesten lettischen Musiker der neuen Generation wie folgt: »Er besitzt eine makellose Eleganz, hypnotische Attraktivität der Persönlichkeit, bewundernswertes Intellekt, breite und ausdrucksstarke Klangfarbenpalette, wie auch ein außergewöhnlich überzeugendes Gefühl der verschiedenen Musikstile.«

 

 

Musikalischer Hintergrund von Andrejs Osokins

 

Seine Berufsausbildung hat er an der Musik-Mittelschule »Emīls Dārziņš« in der Klavierklasse bei seinem Vater, dem ausgezeichneten Pianisten Sergej Osokins, erhalten. Danach folgte das Studium an der Lettischen Musikakademie »Jāzeps Vītols« und am »Trinity College of Music« in London. Im Jahr 2011 absolvierte Osokins das Magister Studium an der Londoner »Royal Academy of Music« in der Klasse der Professoren Hamish Milne und Christopher Elton und erhielt die prestige Auszeichnung DipRAM. Osokins ist Stipendiat der »Yamaha Music Foundation of Europe«, Preisträger des »Lettischen Großen Musikpreises« (2008) und des »Jahrespreises der Lettischen Musikakademie Jāzeps Vītols« (2009).

 

Er absolvierte erfolgreich zahlreiche Klavierwettbewerbe, darunter erwarb er den 4. Platz und den Sonderpreis für die beste Kammermusik der »Arthur Rubinstein Piano Masters Competition« (2014), den 4. Platz in der »Leeds International Piano Competition« (2012), den 3. Platz in der »Dublin International Piano Competition« (2012). Er ist Preisträger der »Queen Elisabeth International Piano Competition«, Brüssel (2010), er belegte den 1. Platz bei der »Beethoven Intercollegiate Piano Competition «, London (2008), den 3. Platz bei der »London International Piano Competition «, London (2009) und den 1. Platz, den Sonderpreis der Jury für herausragende musikalische Interpretation des Werkes von J. Vītols sowie den Publikumspreis beim 5. Internationalen »Klavierwettbewerb Jāzeps Vītols« (2008).

 

Beim international renommierten 5. Internationalen Deutschen Pianistenpreis 2015 in Frankfurt am Main wurde Andrejs Osokins also mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Osokins hat mit dem »Belgischen Nationalen Sinfonieorchester«, dem »London Philharmonic Orchester«, dem »Lettischen Nationalen Symphonische Orchester«, dem »Sinfonietta Riga Orchester«, dem »Kremerata Baltica Kammerorchester« und dem »Radio France Philharmonischen Orchester« Konzerte gegeben und mit den brillantesten Dirigenten unserer Zeit zusammen gearbeitet: Sir Mark Elder, James Judd, Marin Alsop, Darrell Ang, Yuri Simonov, Normunds Šnē, Aivars Rubiķis.

 

Wir können die Namen nicht alle aufführen und auch nicht die Konzertsäle der Welt, in denen der junge Pianist schon aufgetreten ist, wozu seine Beteiligung an Meisterklassen hervorragender Pianisten und Lehrer gehört. Man darf sich also auf das Konzert am Mittwoch freuen und sich auch schon mit dem Programm, das er spielt, beschäftigen.

 

 

PROGRAMM

 

Gabriel Fauré (1845-1924)

Nocturne Nr. 6 in Des-Dur op. 63

 

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Sonate Nr. 23 in f-Moll op. 57 (Appassionata)

1. Allegro assai.

2. Andante con moto.

3. Allegro ma non troppo.

 

Jean Sibelius (1865-1957)

Valse Triste (aus “Kuolema”)

 

Franz Liszt (1811-1886)

Ständchen von Shakespeare ("Horch, horch...")

(Franz Schubert, Klaviertranskription von Franz Liszt)

Liebestraum Nr. 3 in As-Dur

Isoldes Liebestod aus „Tristan und Isolde“

(Richard Wagner, Klaviertranskription von Franz Liszt)

 

 

Hintergrund des Programms

 

Dieses Programm am Mittwoch legt eindeutig den Schwerpunkt auf Melodiöses, wobei zwei Transkriptionen, eine Spezialität von Franz Liszt, zu betonen sind. Der ist ja nicht nur selbst ein genialer Virtuose und Komponist, sondern hat auch viele Werke der Kollegen bearbeitet. Liszt selbst nämlich führte überhaupt den Begriff der TRANSKRIPTION für Übertragungen von Musikstücken rein aufs Klavier ein, die, sagen wir es mal so, eine Melange aus strenger Übernahme und freierer Fantasie sind. Für die strenge Übertragung einer Musik auf das Klavier hat sich der Ausdruck KLAVIERAUSZUG durchgesetzt. Übrigens hatten sich, wie man inzwischen weiß, bei der Drucklegung des Liebestodes in der Transkription von Liszt Fehler eingeschlichen. Eine lustige Geschichte, auf die wir nach dem Konzert eingehen wollen.

 

Sibelius' Valse Triste op.44 ist neben seiner FINLANDIA das beliebteste Orchesterstück des Finnen, entstand 1903 und wurde im gleichen Jahr in Helsinki uraufgeführt. Das fünfminütige Stück ist eigentlich Teil der Bühnenmusik zum Drama KUOLEMA – DER TOD - von Arvid Järnefelt, das dann aber eine eigene Musikgeschichte erhielt, wie eine Perle in einer Krone. In der Geschichte geht es um den sich sooo klug wähnenden Paavali. Der glaubt nicht an den Tod, der ihn dann eines Besseren belehrt. Nicht indem Paavali stirbt, das würde ihn ja nicht den Tod fürchten lehren, schlimmer: nacheinander sterben seine Frau, seine Kinder und dann auch seine Mutter. Und er muß das alles durchleiden und den Tod akzeptieren. Diese Musikperle, von der wir sprachen, die Valse Triste ist nun genau die musikalische Untermalung der Sterbeszene der Mutter. Die wähnt sich nämlich auf einem Ball, wo sie mit einem Partner einen Walzer zu tanzen beginnt, der immer bewegter und schneller wird – und erst auf dem Höhepunkt erkennt sie, daß ihr Partner der Tod ist.

 

Musikalisch ist das raffiniert umgesetzt. Die erste Melodie ist die, die als Valse Triste langsam in unser Ohr träufelt und uns in eine meditative Stimmung versetzt, die ein zweites Thema aufmischt, denn jetzt wird es flott und weltlicher, was durch ein drittes Thema zum rauschhaften Höhepunkt führt, aus dem uns die tröpfelnde Traurigkeit des ersten Themas pianissimo zurückläßt.

 

 

Info:

 

ANDREJS OSOKINS

Publikumspreisträger 5. Internationaler Deutscher Pianistenpreis

Steinway-Haus, Frankfurt am Main, 12. August 2015, 19.00 Uhr

 

 

Artikel in Weltexpresso über den 5. Internationalen Deutschen Pianistenpreis

 

http://weltexpresso.tj87.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4660:das-siegerkonzert-in-der-alten-oper-am-18-april-ist-schon-ausverkauft&catid=86:musik&Itemid=482

 

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http://weltexpresso.tj87.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4696:ablauf&catid=86:musik&Itemid=482

 

http://weltexpresso.tj87.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4697:einer-blieb-in-new-york&catid=86:musik&Itemid=482

 

http://weltexpresso.tj87.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4706:gewinner-ist-yekwon-sunwoo&catid=86:musik&Itemid=482