Konzert von ULLA MEINECKE auf dem KulturWerk-Festival in Schlüchtern

Hanswerner Kruse

Schlüchtern (Weltexpresso) - Ulla Meinecke (63) war die erste deutsche Sängerin, die in den 1980er-Jahren, zu rockiger Musik, anspruchsvolle und poetische Text über das Leben darbot. In den letzten Jahrzehnten wurde es stiller um sie, doch sie behielt immer eine kleine Fangemeinde.

Bei ihrem Konzert auf dem KulturWerk-Festival in Schlüchtern ist die alte Fabrikhalle mit 150 Besuchern ausverkauft. Hinter der Bühne hängt ein großes Gemälde Bob Dylans der verstorbenen Malerin Dorle Obländer, ihr ist die begleitende Kunstausstellung der Festspiele gewidmet. Das Bild passt ganz gut zu diesem Konzert, denn wie Dylan spielt auch Meinecke ihre alten oder andere bekannte Stücke gerne in immer neuen Rhythmen, mit überraschenden musikalischen Breaks oder sonst wie verändert.


 „Jetzt wird’s mir in deinem Bett zu eng / ich bin nicht die Frau an die du denkst...“ Es sind illusionslose, aber nicht verzweifelte Songs, welche die Sängerin immer noch vorträgt, Lieder vom Scheitern und wieder Aufstehen: „Ich fühle mich wie ein Emigrant“, singt sie und „Wenn Du mich nicht verstehst, das ist wie Bierdosen kicken im Regen“ - oder hoffnungsvoller, „Wenn wir Glück haben / Wir müssen nichts mehr beweisen / Jeder Tag ist ein Fest!“ Als ein Stecker der Musikanlage nicht funktioniert, meint sie raubeinig: „Der Mensch ist ein Verschleißteil. Die Kabel auch.“


Meinecke trägt meist eigene, zeitlos wirkende Stücke vor, covert aber auch auf deutsch Paul Simons „50 ways to leave your lover“ oder singt auf englisch Marc Cohns „Walking in Memphis...“. Ihre Stimme kann immer noch sehr samtig sein, doch meist singt sie jetzt rauer und jazziger als früher. Musikalisch begleitet wird sie von Ingo York (Keyboards, Percussion, Bass) und Reinmar Henschke (Gitarre, Percussion). Die Instrumentalisten zelebrieren guten alten Rock ’n Roll und sanften Blues Rock, dann wieder vorantreibenden Shuffle Beat oder sie unternehmen jazzige Ausflüge. Die Frau ist keine Singer Song Writerin mehr sondern eher eine Vollblut-Musikerin, die auch vokale Improvisationen darbietet, Jazziges kann oder ihre Wut herausröhrt. Insgesamt hat man den Eindruck, das Trio hat sehr viel Spaß bei seinem Auftritt - selbst im kleinen Schlüchtern. Früher ist die Meinecke in großen Hallen und im TV aufgetreten, das brauche sie jetzt nicht mehr, sagte sie neulich dieser Zeitung in einem Gespräch.


Zwischen den Stücken erzählt die Sängerin Geschichten vom Leben - oder sie philosophiert: „Kann man das wirklich leben, was man sich immer wünscht? Du könntest Deinen Traum verlieren...“ Ein Höhepunkt des Abends ist der heftige Rock ’n Roll „Ich bin zu alt“, in dem es heißt, „Du könntest mein Sohn sein“ oder „Ich geh lieber ins Bett und lese ein Buch!“ Eingeleitet hat sie diesen Song, zu dem der ganze Saal mitklatscht, mit deftigen Worten über das Anti-Aging und den Jugendwahn: „Die jungen Leute halten den 30. Geburtstag ja für eine Nahtoderfahrung, die armen Dinger!“ oder „Anti-Aging ist so hoffnungslos, wie eine Katzenklappe am U-Boot...“


Endlich! Als letzte Zugabe singt Meinecke schließlich ihren größten Hit (von Edo Zanki): „Du bist die Tänzerin im Sturm / Du bist ein Kind auf dünnem Eis / Du wirfst mit Liebe nur so um dich / Und immer triffst du mich.“ Die Lyrics dieses Songs lässt sich durchaus mit den Texten Dylans vergleichen - und einen Moment lang sah es auch so aus, als würde der muffig dreinschauende Meister auf dem Bild hinter der Sängerin ein wenig lächeln.

 

Foto: (c) Hanswerner Kruse

Info:
Weitere Veranstaltungen der Künstlervereinigung KulturWerk, die eher ihrem „Alleinstellungsmerkmal“ entsprechen, eigene Produktionen oder Kooperationen vorzustellen:
Tanz-Ensemble Artodance: „Peter und der Wolf“ Ballett-Choreografie von Monica Opsahl, Dienstag 15. 11. um 10 und 15 Uhr, Donnerstag 17. 11. um 10 Uhr
Multimediale Eigenproduktion des KulturWerks: „Zuckererbsen für jedermann“, Mittwoch 16. 11. um 20 Uhr
Tanz-Ensemble Artodance: „Dying Swan“ Tanztheater-Choreografie von Monica Opsahl, Freitag 18. 11. um 20 Uhr
Theater AllerART, Leitung Arnold Pfeifer: „Fuchs Duell“, Sonntag 20. 11. um 18 Uhr
Junge künstlerische Gäste:
Heinrich-Heine-Abend mit Jan-Markus Dieckmann Donnerstag 17. 11. um 20 Uhr
Cello-Sonaten, Leander Kippenberg und Edward Liddel, Samstag 19. 11. um 20 Uhr


www.kulturwerk2010.de