Eröffnung des neuen Welterbe Areals KLOSTER LORSCH und Wiedereröffnung UNESCO WELTKULTURERBE Kloster Lorsch, Teil 2

 

Claudia Schulmerich

 

Lorsch (Weltexpresso) - Zwei Dinge kommen hier also seit dem 19. Juli 2014 zusammen. Endlich ist die Torhalle der ehemaligen Benediktinerabtei, für uns immer die Königshalle Karl des Großen, wieder zu besichtigen, einfach ein Schmuckstück karolingischer Baukunst, das uns heute ans Herz geht, so fein, so schmuck, so alt ist dies Wahrzeichen, das es 1991 auf die Liste der UNESCO Weltkulturerben schaffte und in den 60er und 70er Jahren eine Briefmarke schmückte.

 

Zum Welterbe gehört aber auch der Klosterhügel, das gesamte Areal der Klosteranlage, die nach 764 gebaut wurde und von der nur noch Fragmente erhalten sind. Fragmentchen müßte man sagen, denn außer der herrlichen Halle sind es nur ein Abschnitt der Klostermauer und Reste der Nazarius-Basilika.

 

In dieser Situation, wo einerseits die weltberühmte Lorscher Königshalle vollständig vor uns steht (prunkt), ansonsten aber nur Gegend und Natur waltet, haben sich der Besitzer, das Land Hessen, und die zuständige Stadt Lorsch etwas wirklich Besonderes ausgedacht, bzw. ausdenken lassen, einen drei Kilometer langen – nun eröffneten - Rundweg, der das Ursprungskloster mit der Königshalle verbindet, dabei aber auch die gesamte mittelalterliche Anlage ahnen läßt. Ahnen lassen? Wie macht man das?

 

Manchmal gibt es visuelle Simulationen in die Vergangenheit, so wie man heute bei Städteplanungen schon seit Jahren die Idee des Europaviertels beispielsweise als fertigen Stadtteil sehen kann. Manchmal gibt es auch Rekonstruktionen, was die Stadt Frankfurt derzeit mit einigen im Krieg vollends zerstörten Häusern der Altstadt versucht (leider aus Beton und innen modern). Das Kloster Lorsch geht einen ganz anderen Weg und schafft das, was man ein Bodendenkmal nennt. Man baut keine neuen alten Dinge, das Äuere, sondern baut buchstäblich auf die Aura des Ortes, das Innere. Zurecht, wie wir meinen. Behutsam hat man die Landschaft, den Boden so modelliert, daß man den jeweiligen Grundriß von Gebäuden jetzt mittels grasbewachsener Bodenwellen erkennen kann.

 

Hier werden also nicht die alten, verlorenen Originalgrundrisse gezeigt, sondern durch Aufschüttung des Areals und dann künstlich angebrachter Vertiefungen ein Gefühl für die Weite der Anlage und ihre Nutzung erzeugt. Daß dies gelingt und wir uns in eine mittelalterliche Welt von Mönchen hineinversetzen können, das eben benennt man als Aura eines Ortes. Nun gut, mit einem geführten Rundgang vermag man noch mehr zu spüren und zu erkennen, aber auch ohne diese kann man zwischen den nun verbundenen Teilen: der Königshalle und den Fragmenten auf dem Rundweg fündig werden.

 

Da gibt es zum Beispiel den im Herbst 2013 angelegten Kräutergarten, der Bezug nimmt auf das Lorscher Arzneibuch, im Juni desselben Jahr extra ins UNESCO Weltdokumentenerbe aufgenommen. Die frühmittelalterliche Handschrift stammt von 795 und ist die älteste erhaltene Medizinschrift im deutschsprachigen Raum. Sie stammt zwar aus dem Kloster Lorsch, wurde also hier verfaßt und niedergeschrieben, aber seit rund 1000 Jahren ist sie in Bamberg, heute in der dortigen Staatsbibliothek. Die im Arzneibuch aufgeführten Heil- und Würzpflanzen wachsen aber nun hier im Lorscher Kräutergarten. Die Natur stellt also eine historische Wahrheit wieder her. Auch eine schöne Idee.

 

Daß die Pfingstrose nicht nur schön anzusehen ist, das entdeckt man beim Weitergehen im öffentlichen Pfingstrosengarten, der auf dem ehemaligen Weinberg des Klosters entstanden ist. Hier finden Sie von der Wildform bis zur hochkultivierten Züchtung Pfingstrosen aus aller Welt im Lehrgarten versammelt, denn sie ist eine Heilpflanze und im Lorscher Arzneibuch prominent vorhanden. Zum Rundgang gehören auch das Klostergelände Altenmünster, von wo aus Lorsch besiedelt worden sein soll, die Tabakscheune mit Tabaklehrpfad, schließlich war die Lorscher Zigarre eine Berühmtheit, das Museumszentrum MUZ und auf dem Klosterhügel - eine eiszeitliche Flugsanddüne, der Rhein ist nicht weit – die Fragmente der Basilika, der Klostermauer und die herrlich erhaltene Königshalle, womit unser Rundweg, in den man überall einsteigen kann, wieder am Anfang und beendet ist.

 

 

P.S. Am 14. September wird der Rundgang durch zwei Gebäude komplettiert.

Im Wissensspeicher Zehntscheune wird die Baugeschichte des Klosters nachempfunden. Dies war der Ort für Getreide und Feldfrüchte und zeigt heute die Objekte, die man bei den verschiedenen Grabungen auf dem Klosterhügel barg, archäologische Fundstücke also.

Das neue Karolingische Freilichtlabor Lauresham zeigt, wie die Menschen zu Zeiten Karls des Großen gelebt haben. Hier wird aufgrund all der Erkenntnisse, die man in Mitteleuropa zum karolingischen Herrenhof gewann, das erste karolingische Freilichtmuseum uns den täglichen Betrieb von Ackerbau, Viehzucht, aber auch Handwerk sinnlich vor Augen führen. Klar, daß man die alten Tierrassen züchtet, die alten Getreidesorten anbaut und nur mit den Werkzeugen der damaligen Zeit gearbeitet wird.

Diese beiden Einrichtungen, auf 4, 2 Hektar rund 20 Gebäuden, sind dann nur mit Führung zugänglich.

 

INFO:

 

Von Frankfurt aus liegt Lorsch 65 km entfernt. Lorsch ist auch gut per Bahn zu erreichen.

Besichtigungen: Das Welterbeareal LORSCH ist kostenlos zugänglich, d.h. den Rundweg können Sie ohne Ticket entlangwandern.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Führungen: Einzelbesucher können ohne Anmeldung an den offenen Führungen um 11, 13 und 15 Uhr teilnehmen. Die Königshalle, einschließlich des Obergeschosses und der karolingischen Wandmalereien sowie des Museumszentrums kann man mit Führung bis Oktober täglich außer Montag zur vollen Stunde von 11 bis 16 Uhr besichtigen, ab November dann zur selben Zeit nur am Sa und So.

Einzelpreise: Die komplette Führung Königshalle und Museumszentrum kostet

normal 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, für Familien 12 Euro.

 

www.welterbe-areal-kloster-lorsch.de