hwk magdalena 6383Magdalena - eine neue Nachbarin aus Polen

Hanswerner Kruse

Steinau an der Straße (Weltexpresso) - Vor zwei Jahren stellten wir Magdalena Kozlowska als Neue Nachbarin in Steinau im Main-Kinzig-Kreis vor. Die Polin ist kein Flüchtling, sondern schwärmt seit ihrer Schulzeit für Deutschland und möchte gerne hier leben.

Schon in der Schule lernte sie Deutsch und schauspielerte in Grimms Märchen. Damals war sie erst ein halbes Jahr hier und voller Hoffnung, Deutschland kennenzulernen, unsere Sprache (noch) besser zu beherrschen und in Frankfurt zu studieren.

hwk in den MasurenJetzt trafen wir die strahlende junge Frau wieder, die mittlerweile alle nötigen Sprachkurse bis zum C2-Zertifikat absolvierte und fast akzentfrei Deutsch spricht. Als nächstes will sie die Dolmetscher-Prüfung ablegen, dann kann sie mit vereidigten Übersetzungen Geld für ihr Studium verdienen. Die ehrgeizige Magdalena (22) absolvierte in Steinau ein längeres Praktikum in der Stadtverwaltung und hospitierte drei Monate bei der Lokalzeitung. Eigentlich wollte sie Event Management und Öffentlichkeitsarbeit studieren, doch durch das Kennenlernen der Verwaltungsarbeit findet sie den administrativen Bereich auch sehr interessant. Deshalb studiert sie nun im Fachbereich Wirtschaft und Recht an der Frankfurter Uni.

Malte Jörg Uffeln, den Bürgermeister der Grimm-Stadt, lobt sie als hilfreichen Unterstützer: „Ich habe noch nie jemanden kennen gelernt, der so offen und hilfsbereit für alle Ausländer war.“ Er sei auch sehr daran interessiert gewesen, etwas zur Verbesserung der Beziehung von Deutschen und Polen beizutragen. Aufgrund der Geschichte sei das für ihn eine „Herzenssache“, denn die Deutschen hätten eine moralische Pflicht zur Aussöhnung. Gemeinsam mit ihr habe er erste Kontakte für eine Städtepartnerschaft nach Ścinawa (Steinau an der Oder) geknüpft. „Ich habe damals übersetzt und die zweisprachige Korrespondenz geführt“, erinnert sie sich. Auch den Text zum historischen Stadtrundgang in Steinau übertrug sie ins Polnische.

Derzeit, zum Ende ihres 2. Semesters stehen viele Klausuren - etwa zu Verwaltungsrecht oder Rechnungswesen - an. In Uni und Volkshochschule lernt sie nebenbei Englisch, das sei schon sehr anstrengend, räumt sie ein. Doch Semesterferien und Wochenenden lassen noch genug Zeit, ihrer großen Reiselust zu frönen. Sie besuchte viele deutsche Orte von der Zugspitze bis Hamburg und das europäische Ausland von Lissabon bis Litauen. Die Touren finanziert sie von ihren Ersparnissen und mit Mini-Jobs. „Es ist toll, fremde Kulturen kennenzulernen und zu sehen, wie andere Menschen leben“, meint sie. Ihr Freund Nils (22) ist noch nicht so viel gereist wie sie, aber immerhin fuhr er mit ihr nach Portugal oder Paris. Sehr gerne begleitet er sie in ihre Heimat und hat mittlerweile leidlich polnisch gelernt. Sie war sehr stolz, als er neulich Polen „mein zweites Heimatland“ nannte.

Etwas traurig berichtet sie, wie unglaublich teuer die Anerkennung ihrer Zeugnisse, die deutschen oder englischen Sprachkurse und die Prüfungen seien. Es gibt dafür keinerlei finanzielle Unterstützung durch irgendwelche Stiftungen oder EU-Mittel. Ihrem Gesprächspartner kommt es vor, als gäbe es gar kein Interesse, hier junge europäische Menschen zu integrieren.

Seit einem Jahr interessieren Magdalena und Nils sich für restaurierte US-amerikanische Straßenkreuzer. An manchen Wochenenden fahren beide zu Oldtimer-Treffen in der Umgebung. „Die Leute faszinieren mich“, sagt Magdalena, „die sind unglaublich kreativ und haben viele Ideen beim Basteln.“ Sie möchte gerne mal nach Cuba, weil diese Autos dort wirklich noch genutzt werden.

Manchmal wirkt die junge Frau genauso aus der Zeit gefallen, wie die von ihr geschätzten Oldtimer: Sie kleidet sich oft retromäßig, liebt Vinyl-Schallplatten und liest nur „echte“ Papierbücher. „Aber ich bin auch ganz modern“, erklärt sie lachend, „ich schreibe ja im Internet einen Blog über meine Erlebnisse.“

Fotos:
©Hanswerner Kruse

Info:
Der Artikel über Magdalena vor zwei Jahren: