kpm DatennetzAnmerkungen zum Datenraub bei Prominenten

Klaus Philipp Mertens

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Es sind anscheinend auch solche Politiker vom großen Datenklau betroffen, welche die Gefahren, die von Datenkraken ausgehen, bislang verharmlost haben.

Politiker, die den Bürgern permanent die Vorteile der Digitalisierung predigen, aber es unterlassen oder sich nicht vorstellen können, dass eine solche von vornherein der Regulierung bedarf und die Einrichtung einer staatlichen Institution zum Zweck des Betriebs und der Kontrolle notwendig macht. Beispielsweise nach dem Vorbild des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Selbst das Führungspersonal der LINKEN scheint sich im Zielkonflikt zwischen Freiheitsrechten und vermeintlicher Modernität für letztere entschieden zu haben.

Denn eine nicht regulierte und nicht öffentlich kontrollierte Digitalisierung bedeutet hohe Risiken bei der elektronischen, überwiegend internetbasierten Kommunikation. Selbst PCs, die mit Firewall, professionellem Virenscanner und regelmäßig wechselnden Passwörtern gesichert sind, bieten keinen hundertprozentigen Schutz. Bei Smartphones, die mit den Betriebssystemen der Datenkraken ausgestattet sind (Android von Google, iOS von Apple) ist der Spion ein ständiger und kaum rauszuwerfender Gast. Die Mobiltelefonie mit ihren diversen Zusatzanwendungen bildet das größte Einfallstor für die Datensammler Facebook, Whatsapp, Twitter und YouTube sowie die Suchmaschine Google. Dabei ist hervorzuheben, dass die Übereignung der eigenen Persönlichkeit freiwillig erfolgt. Es ist das selbstgewählte Leben in einem Glashaus und die freiwillige Übergabe der Privatsphäre an kommerzielle Unternehmen, deren Geschäftsmodell die Verwertung des Privaten ist. Für Millionen von Durchschnittsmenschen scheinen die kommerziellen Netzwerke, die sich selbst als soziale bezeichnen, der Ausweis eines besonderen gesellschaftlichen Status zu sein. Dabei schätzen die Betreiber ihre Nutzer als Bekloppte und Bescheuerte ein. Ähnlich wie die BILD-Zeitung, die nach dem Zeugnis von Günter Wallraff, der sich 1977 in die Redaktion eingeschlichen hatte, ihre Leser als Primitivos bezeichnete.

Auch bei Politikern, die es besser wissen müssten, ist das offenbar nicht anders. Immer dann, wenn persönliche Eitelkeit und Profilsucht im Spiel sind, scheinen sie ihr kritisches Bewusstsein (falls überhaupt vorhanden) abzuschalten. Von der Omni-Präsenz in den Medien der Einfältigen versprechen sie sich Erfolge, die anscheinend im argumentativ geführten öffentlichen Diskurs nicht (mehr) möglich sind.

Die Empörung der leichtfertig Handelnden ist groß. So wird dem von Legislative und Exekutive bewusst zahnlos konzipierten „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)“ Untätigkeit vorgeworfen. Der Vorstand der Grünen hat Strafantrag gegen Unbekannt gestellt. Aber die ursächlichen Verursacher sind gar nicht unbekannt. Es sind Abgeordnete in Bundestag und Länderparlamenten, Bundes- und Landesminister sowie Spitzenbeamte, die sich den Lobbyisten der neuen Goldwährung, die in der Abschöpfung und Verwertung personenbezogener Daten besteht, auf den Leim gegangen sind.

Die Kraken-Branche setzt einerseits auf die legale Spionage durch ihre in den jeweiligen technischen Plattformen installierte Protokoll-Software, deren Verwendung seitens der Nutzer nicht widersprochen wurde. Und andererseits auf die so genannte Share-Economy, die das eigentlich positive Teilen zu einem Mit-Teilen von Vertraulichem verdrehen und verfälschen.

So wird der Inhaber eines Whatsapp-Accounts, der typischen Einstiegsdroge in die Szene, dazu animiert, sein persönliches Adressbuch einzustellen. Dazu müsste er alle, deren Namen, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen etc. er weitergibt, vorher um Genehmigung fragen. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kraken ist das an versteckter Stelle auch vorgeschrieben. Aber welcher Nutzer lässt sich das Kommunikationserlebnis, zu dem Whatsapp ihm verhilft, durch Bürokratismus verleiden? Auf diese Weise gelangen personenbezogene Daten von Bürgern, die davon nichts ahnen und nichts wissen, zunächst zu Facebook und dann zu Instituten, welche die Feinverarbeitung vornehmen. Selbstverständlich kann man auch direkt bei Facebook starten und danach oder gar nicht zu Whatsapp gelangen. Bei solchen Sammelzentren, die von Facebook & Co betrieben werden, gehen auch die (vorläufigen) Personenprofile ein, die Google, YouTube oder Amazon zusammengestellt haben.

Die Wirtschaft wartet auf diese Informationen, welche es ihr gestatten, ihre Produkte maßzuschneidern (häufig gegen jegliche ökologische und volkwirtschaftliche Vernunft) und zielgerichtet anzubieten, nicht selten über den Online-Handel. Es ist auch davon auszugehen, dass politische Gruppen und Geheimdienste an dieser Ware hoch interessiert sind.

Die Bundesregierung prüft nach Angaben von Justizministerin Katarina Barley (SPD) strengere Sicherheitsvorgaben für Software-Hersteller und Betreiber von Internet-Plattformen. "Wir prüfen, inwieweit hier schärfere gesetzliche Vorgaben sinnvoll und erforderlich sind", sagte sie der "Welt am Sonntag". Hersteller und Plattformbetreiber müssten hohe Sicherheitsstandards und regelmäßige Updates gewährleisten. Solche Verlautbarungen werden die Datenkraken gern hören. Schließlich hat Ministerin Barley bereits die gesetzliche Mietpreisbremse vor die Wand gefahren. Der Bürger hingegen muss befürchten, vogelfrei zu werden, wenn er sich der Internettechnologie bedient. Zumindest solange, wie diese überwiegend von kommerziellen Einflüssen bestimmt ist.
So bleiben als letzte Hoffnung nur die Medien. Sie sollten endlich damit aufhören, von „sozialen Netzen“ zu sprechen und zu schreiben. Vielleicht gibt es ein paar couragierte Chefredakteure, die monatlich den „Vollpfosten für Facebook-Schreiberlinge“ ausloben. Als erste Kandidaten empfehlen sich die Intendanten von ARD und ZDF, die gemäß der Staatsverträge mit den Asozialen nichts im Sinn haben dürfen, aber dennoch ihre Programmergänzungen dort platzieren (immer auf Gefahr der Nutzer, wie man im Kleingedruckten lesen kann).

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