Bildschirmfoto 2021 01 30 um 01.42.57DAS JÜDISCHE LOGBUCH  

Yves Kugelmann

Paris (Weltexpresso) - «Schabbat Schalom!» ruft der Mann mit Helm auf seiner Vespa den zwei religiösen Juden auf dem Trottoir am Freitagnachmittag im 8. Arrondissement zu. «Schabbat Schalom!» rufen die beiden zurück. Sie sammeln in einer Strasse hinter der «Madeleine» Geld. Gehen von Haus zu Haus. Klingeln an der Tür. Verschwinden. Kommen nach wenigen Minuten wieder raus.

«Gibt es hier ein Minjan zu Schabbat?» Der Mann auf der Vespa verneint und wendet sich wieder einem Gespräch zu. Paris ist in diesen Tagen belebt tagsüber. Ab 18 Uhr herrscht Ausgangssperre. «Minjan gibt zu Kabbalat Schabbat im Moment keine», sagt einer der beiden religiösen und sehr elegant gekleideten Juden.

In den Strassen sitzt in regelmässigen Abständen Clochards. Sie betteln nicht. Sie wohnen da. Die Heilsarmee in roter Kleidung bringt Kaffee und Tee. Sie sprechen kurz – man kennt sich – und sie ziehen weiter. Auf den ersten Blick wirkt alles belegt. Doch viele Geschäfte sind geschlossen – auf immer. Der Eiffelturm leuchtet abends nicht – wie sonst. Die Strassen sind kurz nachts leer. Vereinzelt Menschen, die von der Nachtschicht nach Hause laufen. Paris im traurigen Schlaf, und die Synagoge «La Victoire» in Richtung Osten dunkel.
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Nachdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung aus dem Wochenmagazin TACHLES vom 29.1. 2021
Yves Kugelmann ist Chefredaktor der JM Jüdischen Medien AG