Jean Bagnol, Commissaire MAZAN und der blinde Engel im Knaur Verlag

 

Adelheid Haase

 

Stuttgart(Weltexpresso) – Bei unserer Besprechung des zweiten Krimis wollen wir uns jetzt auf die Geschichte konzentrieren, denn in der ersten ist schon alles gesagt zu den beiden Hauptfiguren, dem Commissaire MANZAN, der als Streuner ins beschauliche Städtchen Mazan in der Provence kam und dort heimisch wurde, weil sozusagen eine andere Streunerin, die strafversetzte Zadira Matéo ihm ein Heim bot, wofür er sich mit Hilfe der ganzen Katzengesellschaft von Mazan durch Ergreifung des Täters bedankte.

 

Natürlich ist nicht alles gesagt worden zur Notgemeinschaft Commissaire/Lieutenant, denn das Leben geht für beide hier beim zweiten Fall abwechslungsreich weiter. Sowohl beruflich wie auch privat. Aber diesmal werden vom Verfasser, hinter dem sich das schriftstellernde Autorenpaar Nina George und Jo Kramer verbirgt, sehr gekonnt weitere Personen, die im ersten Krimi schon eine Rolle spielten, zu richtigen, uns interessierenden Figuren entwickelt . Das gilt in vorderster Front für den Gemeindepolizisten Lucien Brell, den bisher als kleinkariert und freßsüchtig keiner haben wollte und der zum Held dieses Buches wird. Auch die resche Journalistin Blandine Hoffmann verhält sich ziemlich clever, vor allem, wenn es um die Informationen oder Hilfestellungen von Männern geht, zudem ist sie gut Freund mit unserer Lieutenant.

 

Der erste Mord passiert in Paris, direkt nach der Eröffnung einer Kunstausstellung von Etienne Idka, der ein bekannter Maler wurde, nachdem er erblindete. Erst die danach geschaffenen Bilder sagten den Menschen etwas, wobei den Roman durch in der Schwebe bleibt, wie ein Blinder malen kann, ober er vielleicht nicht blind ist und vor allem, wer für seine verätzten Augen verantwortlich ist. Ermordet wurde seine Galeristin Celine und weil der blinde Maler derzeit in Mazan lebt, fährt der Pariser Kriminalpsychologe, der das aufklären soll und auf den Namen Arnaud Paoli hört, ins Städtchen und bittet Zadira um Amtshilfe. Um ihn ist es gleich geschehen, denn das erste und zufällige Zusammentreffen beider wird so ungewöhnlich, echt witzig geschildert, daß man sofort versteht, weshalb er sich in die schöne Lieutenant verguckt, aber auch sie läßt der attraktive und umsichtige Pariser nicht unbeeindruckt.

 

Das hat auch damit zu tun, daß der benachbarte Tierarzt Jules Parceval, dem sie – gerade weil sie ihre Gefühle für ihn spürt - jeglichen Kontakt verweigert, gerade in dem Moment, als sie anderen Sinnes wird und klingelt, Besuch hat, so daß sie von einer nackten ebenfalls schönen, aber blonden Frau begrüßt wird. Sie kann nicht wissen, daß es die Verlobte des Tierarztes ist, deretwegen u.a. er aus Paris floh. Und er ist Gentleman genug, die Ungeliebte nicht rauszuwerfen, sondern darauf zu warten, daß diese versteht, was auf den letzten Seiten dann zu einer innigen Unterhaltung beider Frauen führt.

 

Dazwischen aber passiert erst ein zweiter Mord in Paris und nun schält sich heraus, was als auf der Hand liegt, daß diese Morde den ausgestellten Bildern des Meisters nachempfunden sind, nämlich in der Anordnung der Toten etc. Und sie bleiben nicht die einzigen Morde. Die Ermittlungen in Mazan sind deshalb schwierig, weil an der Seite des Malers eine undurchsichtige Frau lebt, von der er so abhängig ist, wie sie von ihm. Und auch sein Bruder Charles und ein bekannter Kunstkritiker spielen eine Rolle, bis...

 

Nein, eigentlich ist nun genug gesagt, denn der Fall entwickelt sich in viele Richtungen und die Autoren fahren mindestens zweispännig. Denn eine ganz andere Angelegenheit läuft mit, von der man nicht weiß, ob sie parallel erzählt wird, oder in die Mordgeschichte gehört. Es geht um Gourmets, zu denen man doch besser Gourmands sagen sollte, denn ihnen fehlt die Mäßigung völlig, wenn sie gerade die selten gewordenen Tier verspeisen, von Singvögeln bis kleinen Katzen...

 

Spätestens jetzt muß die Katzengesellschaft von Mazan wieder ran, denn ohne diese wären die weiteren Morde nicht verhindert worden, auch nicht die an den Kätzchen. Commissaire Mazan bleibt der Anführer, der klug seine Geschwader in die Aufklärungsschlacht wirft. Aber das alles hätte er nicht erreichen können, ohne Camille, die weiße und ebenfalls blinde Katze des Malers und seiner Frau. Ein Katzenliebhaber folgt der Geschichte hingegeben, denn die Katzenwelt, die im Roman entwickelt wird, in der wir nun ihrer Kommunikation lauschen dürfen und die Aktionen bewundern, ist wirklich poetisch und gefühlvoll und dem Charakter und der Aura dieser Tiere angemessen.

 

Da hat uns nur der Titel vom blinden Engel gewundert, weil der Mörder vom 1. Band, den Erben des Marquis, auf der ersten Seite spürt, „wie sich der schlafende Engel in seinem Inneren regt, die Flügel entfaltet und seinen glühenden Blick erheben wollte.“ Daß der schlafende Engel des Mörders vom ersten Band im Innersten ein Teufel ist, haben wir uns behalten. Daß nun aber die weißhaarige Katze Camille über einen blinden Engel verfügt, also das Gute verkörpert, bringt uns leicht durcheinander, wobei es in der Kirchengeschichte schon auf jeden Fall die guten und die bösen Engel gibt.

 

Wir sind gespannt auf den dritten Fall, der schon in Arbeit ist, und hätten eigentlich auch gerne eine Numerierung der Commissairekrimis, es müssen ja nicht gleich 23 werden wie bei Donna Leon, aber das literarische Personal in Menschengestalt, von dem wir nur einen Teil vorstellten, ist absolut ausbaufähig, denn dazu fällt uns selbst schon viel ein. Vor allem muß aber viel mehr vom literarischen Personal in Tiergestalt gesprochen werden. Das nächste Mal werden wir wieder die Katzengesellschaft ausführlich bringen, den deren Charakterisierung bringen die Autoren auch voran, so daß man die jeweilige Katze direkt vor Augen sieht, vor allem gibt es ja da auch noch den Hund und die Vögel auch. Mehr also das nächste Mal.

 

Info:

Jean Bagnol, Commissaire Mazan und der blinde Engel, Knaur Verlag, Juli 2015

 

Der erste Band war

Jean Bagnol, Commissaire Mazan und die Erben des Marquis, Knaur Verlag Oktober 2014